31.10.2019

von B° RB

Chorgemeinschaften

Es gibt sie noch, die musikbegeisterten Frauen und Männer, die sich wöchentlich oder in anderer Regelmäßigkeit zusammenfinden, um sich zwei Stunden lang intensiv dem Chorgesang zu widmen

Die Musikfreunde Kirchenlaibach/Speichersdorf bei "Amazing grace" unter Leitung von Heinz Schmidt

Musik sei wie vieles ein Geschenk Gottes, sagte Pater Joy seiner Begrüßung zum Gruppenkonzert der Sängergruppe Max Reger in der überfüllten Nageler Pfarrkirche. Sie sei etwas, was Menschen anrührt, was Freude verbreitet und Emotionen auslösen kann. Musik könne helfen, schwere Phasen des Lebens leichter zu machen. Sie sei eine Sprache des Herzens, die jeder versteht. Dies nachzuvollziehen, hatten die Besucher eineinhalb Stunden Gelegenheit.

Den Auftakt übernahmen die beiden Brander Chöre. Mit einem „Vater unser“ von Regionalkantor Stephan Merkes ließ der MGV Max Reger deutlich erkennen, dass Dynamik und Liedgestaltung wichtige Schwerpunkte seiner Chorarbeit sind, wies den einzelnen Bitten jeweils eine passende Klangfarbe zu und verlieht dem wichtigsten Gebet der Christenheit große Tiefe. „Wie groß bist du“ ließ für ein solches Ansinnen wenig Raum, forderte dafür umso mehr, die in den ersten Bass gelegte Melodie herauszuarbeiten und schließlich sollte mit „Nimm dir Zeit“ der schlechte Zustand der Welt durch Zuhilfenahme der dynamischen Möglichkeiten thematisch in den Mittelpunkt gerückt werden: „Noch immer hält der Herr die Welt in seinen Händen!“

Ein blitzsauberer, glasklarer Sopran stimmte im Vorspann in das „Danke“ des gemischten Chores aus Brand ein. Die reizvolle Fortführung geschah in dem Satz von Otto Fischer durch Zuordnung der Melodie in wechselnde Stimmen, die Andrea Krauß schön herausgearbeitet hatte. Rund und sehr einheitlich klingende Bässe unterstützten die eindrucksvolle Gestaltung. Der mit einem „Marien-Text“ unterlegte Gefangenen-Chor lebte von den notwendigen großen Unterschieden in Lautstärken und schließlich hatte sich der Chor intensiv mit Maierhofers Satz „Der Herr segne dich“ beschäftigt und trug ihn überzeugend als absolut homogen klingenden Chor vor. Kreischorleiter Richard Waldmann hat einen Satz für Männerchor zu „Schwarze Madonna“ geschrieben, den Heinz Schmidt mit der Chorgemeinschaft Trabitz/Neustadt am Kulm ins Programm aufgenommen hatte, wobei es galt, einen Unisono-Teil sauber und beweglich zu halten und den Chorklang mit der deutlich abgesetzten Oberstimme abzugleichen. „Herr, deine Güte“ gelang durch dynamische Veränderungen, von Heinz Schmidt deutlich angezeigt. Diese Differenzierung setzte sich fort in „Vineta“, wobei sich der Chorleiter mit Erfolg um ein sauberes Pianissimo bemühte. Schön und logisch ausgestaltet in Tempo und Lautstärke präsentiert die Chorgemeinschaft Pullenreuth/Lochau unter der Leitung von Gruppenchorleiter Alexander Hecht „Sei gegrüßt viel tausendmal“ nach einem Satz von Josef Härtl. Geschlossene und helle Tenöre, existenziell wichtig für Vokale in der italienischen Sprache, wurden dem Anspruch in dem Chorsatz Signore delle cime“ bestens gerecht. Schließlich erklang das Spiritual „Josua fit the battle of Jericho“ mit deutschem Text unter akzentuierter Rhythmik, um dem Oirginal nahe zu kommen.

Heinz Schmidt leitete auch die Musikfreunde Kirchenlaibach/Speichersdorf und begann mit einem engagiert vorgetragenen „Amazing grace“, schloss eine sehr ruhig interpretierte „Abendruhe“ von Mozart an, die in einem leisen und schönen Chorklang endete. Große Musizierfreude wurde schließlich in einem Bühler-Satz deutlich hörbar und sichtbar: „Schenk der Seele einen Sonntag!“ Siegbert Filbinger wandte sich mit dem MGV Neusorg dem Thema „Frieden“ zu, arbeitete durch steigernde Lautstärke das Anliegen mit „Herr, gib uns Frieden“ deutlich heraus, wobei der Schwerpunkt auf der sauberen Entwicklung der Vokale lag und formte aus dem Lied ein inniges Gebet. Siegbert Filbinger legt Wert auf deutliche Zeichengebung, machte so die Rhythmik in „Von guten Mächten“ gut nachvollziehbar und gebrauchte sie noch mehr bei einem Satz nach „Michael row the boat ashore“ mit deutschem Text: „Großer Gott, wir loben dich“. Auch Andrea Krauß leitet mit dem MGV Kulmain einen zweiten Chor, packte mit „Die Himmel erzählen“ aus Haydns Schöpfung mit vielen dynamischen Veränderungen und einigen Dissonanzen eine große Aufgabe an, die sie gemeinsam mit den Sängern gut meisterte.

„Mein Gott, welche Freude“ als Kontrast dazu forderte den Chor eher rhythmisch. Seinen Auftritt ließen die Kulmainer Männer mit einem sehr harmonisch klingenden homogenen Tonsatz von Maierhöfer enden. Große Überraschung bei diesem Konzert war die Tatsache, dass sich alle Chöre verstärkt dem Vortrag und der Liedgestaltung gewidmet hatten. Der Chorgemeinschaft Kemnath / Immenreuth unter der Leitung von Heinrich Thurn gelang in dem Lied „Die Rose“ eine sehr emotionale Gestaltung. „Jauchzet dem Herrn“ erinnerte an Friedrich Silcher als einen der wichtigsten Komponisten für Männerchöre, und schließlich schloss der Chor unter der Leitung von Stefanie Übelmesser mit dem „Ave Maria“ von Jac. Arcadelt, in gelungener lautstärkemäßiger Anpassung in einem geschlossenen Chorklang.

Das Konzert endete mit der Bayernhymne, auf der Orgel begleitet von Alexander Hecht. Die Resonanz war äußerst positiv, doch das Konzert war mehr als musikalische Aktivität. Es war der wohlklingende Beweis, dass die Sängergruppe Max Reger, trotz fortgeschrittenen Alters der meisten Aktiven immer noch sehr leistungsfähig und zu einem anspruchsvollen Konzert in der Lage ist. „Die Freude und Begeisterung soll uns weiter begleiten“, sagte Pater Joy abschließend und spendete den Anwesenden den Schlusssegen. 

Es gibt sie noch, die musikbegeisterten Frauen und Männer, die sich wöchentlich oder in anderer Regelmäßigkeit zusammenfinden, um sich zwei Stunden lang intensiv dem Chorgesang zu widmen. Sie gehen nicht ins Probenlokal, um sich bei einem Glas Wein oder einem Bier gut zu unterhalten, wenn auch die schöne Gemeinschaft, die sie dort erleben, Teil der Motivation ihres Engagements für den Chorgesang sind. Die Chöre sind alle sind längst zu großen Familien geworden, und wenn Sängerinnen und Sänger 40, 50 oder 60 Jahre und noch mehr ihren Singgemeinschaften treu bleiben, dann hat das seinen guten Grund. Die wöchentliche Chorprobe ist ihnen zur schönen Tradition geworden. Dabei möchten sie nicht bekanntes Repertoire heruntersingen, sie möchten musikalisch gefordert werden, um nach zwei Stunden ein ganzes Stück reicher nach Hause zu gehen und irgendwann das Ergebnis ihrer Arbeit öffentlich zu präsentieren. Das geschah am Sonntag in Nagel. 180 dieser sangesfreudigen Menschen trafen sich in acht Chören oder Chorgemeinschaften in der Pfarrkirche Maria Rosenkranzkönigin in Nagel zu einem geistlichen Konzert. In dieser schnelllebigen Zeit mit überquellenden Terminkalendern ist das gar nicht so einfach. 

Nach einer Verschiebung vom Sommer auf den Herbst wurde das Vorhaben nun aber durch den Vorsitzenden der Sängergruppe Max Reger, Siegmar Bräutigam, und Gruppenchorleiter Alexander Hecht, der auch das Schlusslied auf der Orgel begleitete, in die Tat umgesetzt. Das Konzert könnte auch der Werbung des Chorgesangs dienen. Kaum ein Chor leidet nicht unter existenzbedrohlichem Nachwuchsmangel und jedes neue Chormitglied ist ein großer Gewinn. Einmal unverbindlich eine Chorprobe besuchen, aktiv teilnehmen, zuhören und eventuell ein paar Töne mitsingen, könnte den Einstieg in ein ebenso spannendes wie wertvolles Hobby bedeuten.

Es wäre schade, wenn Volkstrauertage, Feste und Neujahrsempfänge künftig ohne dieses wohlklingende Beiwerk auskommen müssten. Erst durch Musik wird manche Veranstaltung zu einer Feier.

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